Klausurtagung „Zukunft Suchthilfe im Wartburgkreis“ – Perspektiven für 2030
Unter dem Motto „Zukunft Suchthilfe im Wartburgkreis“ kamen im November 2025 fast 60 Fachkräfte aus dem sozialen und medizinischen Bereich im Kreistagssaal des Landratsamtes zusammen. Die Veranstaltung wurde von der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Sucht gemeinsam mit dem Gesundheitsamt des Wartburgkreises organisiert und moderiert von Sarah Kornmann, Koordinatorin der Thüringer Landesstelle für Suchtfragen e.V.
Nach der Begrüßung durch die Psychiatriekoordinatorin Doreen Schrumpf, dem Sprecher der PSAG, Gerald Böhm, und dem Vorsitzenden des Psychiatriebeirates, Martin Rosenstengel, widmete sich Sarah Kornmann in ihrem Impulsvortrag den aktuellen Entwicklungen, Herausforderungen und Trends der Suchthilfe in Thüringen. Dabei wurde deutlich, dass Sucht längst nicht mehr nur Alkohol oder Cannabis betrifft. Veränderte Konsumformen mit einhergehenden veränderten Konsumverhalten, darunter Verhaltenssüchte wie Kaufsucht, Smartphone- oder Social-Media-Nutzung, Virtual Reality oder hochwirksame synthetische Drogen, stellen die Fachkräfte vor neue Herausforderungen. René Ehrenberg vom Ökumenischen Hainich Klinikum ergänzte in seinem Vortrag, dass insbesondere Kinder und Jugendliche immer früher und mit härteren Substanzen in Kontakt kommen. Zunehmend komplexe Hilfsbedarfe treffen auf knappe Ressourcen; zugleich steigen die Anforderungen an Vernetzung und Dokumentation, während Mittelkürzungen und weitere Herausforderungen den tiefgreifenden Wandel der Suchthilfe deutlich machen.
Im Anschluss arbeiteten die Teilnehmenden unter dem Slogan „Ein Ziel ist ein wünschenswerter Zustand – Blick ins Jahr 2030“ an konkreten Wünschen und Lösungsansätzen: Welche Strukturen braucht es um eine bedarfsgerechte, wohnortnahe Versorgung sicherzustellen? Dazu trafen sie sich im Wechsel an vier Thementischen – für den Bereich der ambulanten, der teilstationären, der stationären Hilfen sowie für den Bereich der Suchtprävention inklusive der Selbsthilfe.
Im ambulanten Bereich besteht insbesondere im ländlichen Raum der Wunsch nach mehr Präsenz der beratenden Dienste sowie erweiterten Öffnungszeiten, mobilen Angeboten und einer Einrichtung von Kompetenzzentren, die Prävention, Beratung und niedrigschwellige Unterstützung bündeln. Weitere Punkte waren Fahrtkostenunterstützung, erleichterter Zugang zu Zahnbehandlungen und eine flächendeckende Versorgung. Auch der Ausbau der aufsuchenden Sozialarbeit und der Substitutionsmöglichkeiten standen im Fokus.
Im teilstationären Bereich wurden die Ausweitung tagesklinischer Angebote, die leichtere Anbindung an therapeutische Anschlussbehandlungen, die Integration von Familien und Haustieren in die Behandlung sowie eine Reduzierung bürokratischer Hürden und Wartezeiten diskutiert.
Im stationären Bereich lag der Fokus im Ausbau der stationären Gegebenheiten, zielgruppenspezifischer Behandlungen zum Beispiel für suchtkranke Mütter und Väter mit Kindern, der Einbezug neuer Therapieformen, mehr Menschlichkeit in der Versorgung und eine stärkere Orientierung am Patienten statt an administrativen Vorgaben. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen durch Krankenkassen insbesondere der Vorgaben zur Behandlungsdauer sowie die Selbstfürsorge des Personals wurden thematisiert.
Der Schwerpunkt im Bereich der Sucht-Prävention und Selbsthilfe lag in der Aufklärung und Sensibilisierung in Elternhäusern, Vereinen und Jugendclubs. Ziel ist es, frühzeitig über Risiken aufzuklären, flächendeckend aktiv zu werden sowie Angebote für Jugendliche, junge Eltern sowie Selbsthilfegruppen auszubauen. Dabei wären langfristige Projekte über Lebensphasen hinweg sowie eine finanzielle Planbarkeit wünschenswert.
Gerald Böhm, der auch Leiter der Suchtberatungsstelle in Eisenach ist, betonte abschließend: „Wir haben Menschen im Blick, die schwer krank sind. Dass Sie sich die Zeit genommen haben, für diese Menschen Lobbyarbeit zu machen, ehrt Sie sehr.“ Er wird die Ergebnisse der Tagung im nächsten Psychiatriebeirat vorstellen und hofft, dass bis 2030 viele der erarbeiteten Wünsche umgesetzt werden.
Die Klausurtagung machte deutlich, dass ein ganzheitlicher Ansatz entscheidend ist: Es geht nicht nur um die Behandlung einzelner Abhängigkeiten, sondern um die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt. Martin Rosenstengel betonte abschließend die Bedeutung der Vernetzung aller Akteurinnen und Akteure: „Die Herausforderungen sind groß, aber wir haben ein starkes, engagiertes Netzwerk. Schritt für Schritt arbeiten wir gemeinsam daran, die Suchthilfe im Wartburgkreis zukunftsfähig zu gestalten.“